Die Moral – insbesondere die soziale Moral und die Sexualmoral – sind feste Bestandteile unseres Daseins. Seit Jahrtausenden konnten Säugetiere, Primaten und schließlich Menschen diese Eigenschaften entwickeln und vererben. Grob gesprochen, besteht die Moral darin, den anderen in seinem Menschsein zu respektieren und ihm keinen Schaden zuzufügen, solange er der Gemeinschaft keinen Schaden zufügt. Es gibt, wie die Erfahrung lehrt, Grenzsituationen, in denen nicht eindeutig festgestellt werden kann, was ein „Schaden“ ist oder wie weit der Eingriff in ein anderes Leben dem Individuum nützt oder schadet. Aber dies hiert ist kein philosophisches Forum. Wir reden Tacheles.
Wir haben also eine Instanz: Uns selbst und nötigenfalls unsere Umgebung zur Abstimmung unserer Vorstellungen. Wir haben als Hintergrund altarabische, griechische, römische und nicht zuletzt germanische und indogermanische Vorstellungen, wie wir leben sollten. Wir haben alles, was wie brauchen, um unser Leben nach Gut und Böse auszurichten.
Wir brauchen keine Bücher aus dem Orient dazu. Keine Tora, keine Bibel und keinen Koran. Ich spreche nicht dagegen, Jude, Christ oder Moslem zu sein – der Glaube an Gott ist jedem Menschen unbenommen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich eine neue Religion breit gemacht: Das Gutmenschentum, früher besser bekannt als „Biedermänner“ – Menschen also, die ihre bürgerlich-konservative oder bürgerlich-familienbewusste Überzeugung für die allein seligmachende Lebensweise halten. Nicht zuletzt ihnen ist anzulasten, dass Deutschland immer wieder Moralisäureattentate auf Menschen gibt, die anders denken, reden und handeln.
Wir brauchen keine Moral von Außen. Wir haben schon eine Moral in uns.