Das Problem Nummer eins der Deutschen: Sie neiden anderen die materiellen Güter, den Ruhm und die Macht. Das wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht zugleich zu Menschen hinaufschauen würden, die in der Öffentlichkeit den Sondermüll ihres Lebens zelebrieren. Sie sehen dann, wie der Jungstar zum Disney-Star zum Playboy-Star wird. Sie glauben, dass man nur auf die richtigen Partys gehen, öfter mal den Schlüpfer vorzeigen respektive vergessen muss und dann sogar darauf verzichten kann, wirklich singen zu können. Kurz: Sie glauben, dass Karrieren sich auf der Basis von Müll generieren lassen.
Die Moral, die sich daraus ergibt? Verachtet Arbeit. Warum soll man Parkwächter, Kanalarbeiter oder Zimmermädchen werden, wenn Frau S. nur das Höschen ausziehen muss und Frau T. nur vorgeben muss, dass sie gerne mit Frauen und Männern ins Bett geht? Da macht man lieber nichts – könnte ja schaden, es einmal mit einer Tätigkeit zu versuchen – egal mit welcher.
Wissen Sie, da diskutieren Politiker und Kirchenmänner über den Schutz der Jugend, und wie gefährlich doch Sex im Internet ist – aber wie gefährlich es ist, ständig mit dem falschen Schein berieselt zu werden, darüber diskutiert niemand, selbst dann nicht, wenn es mehr und mehr Menschen am unteren Rand der Gesellschaft für die Realität halten.
Angelesen im
Spiegel.
Übernahme aus "Wortwechsler"