Janusgesichtige Gutmenschen – 2. Teil
Über Mindestlöhne kann man streiten bis zum Erbrechen – vor allem in Deutschland. Denn im reichen EU-Land geht es nicht um das Auskommen mit dem Einkommen, sondern weitgehend um Ideologien, die hinter dem Stichwort „soziale Gerechtigkeit“ getarnt werden.
10 Euro Mindestlohn – genau dieser Betrag wird von sogenannten „Initiativen“ gefordert - für eine einfache Arbeit sind nun zwar kein fürstlicher Lohn – aber dennoch viel Geld, wenn man sie bezahlen soll. Rechnet man einmal hoch, was bei einem 174-Stunden-Monat herauskommt. So landet man immerhin bei einem Betrag von 1740 Euro.
Die Gutmenschen allerdings rechnen nicht so, sondern anders: Sie meinen, dass ein einziger Job (und ein einziges Gehalt) den Lebensunterhalt in jedem Fall finanzieren müssen, ja, sie beharren in Gesprächen darauf, dass dies ein unabdingbares Menschenrecht sei. Diese Leute haben weder eine Ahnung von Betriebswirtschaft noch waren sie jemals Unternehmer, die auch nur einen einzigen Mitarbeiter beschäftigten – und sie können sich nicht einmal im Mindesten vorstellen, wie schwer es für Gewerbetreibende mitunter ist, den erforderlichen Umsatz zu erzielen und den Gewinn einzufahren, um Löhne in dieser Höhe auf Dauer zahlen zu können.
Der größte Unsinn dabei ist aber, dass es mit dem künstlichen Hochpuschen der Löhne immer unattraktiver für Menschen wird, sich selbstständig zu machen – wenn man mit dem Mindestlohn ein Einkommen erzielen kann, das bei Weitem über dem zu erwartenden Einkommen aus einer neuen Selbstständigkeit resultiert - ja, warum denn eigentlich selbstständig?
Lassen sie es mich einmal so sagen: Kaum ein freier Schiftsteller oder Journalist verdient freiberuflich die 2500 Euro, die er als Äquivalent für die selbstständige Tätigkeit erzielen müsste – schließlich muss er selbst für die Altersvorsorge und die Krankenversicherung sorgen und sich einen Urlaubsanteil zur Seite legen. Doch das will keiner dieser janusgesichtigen Gutmenschen wissen, die den Mindestlohn fordern – sie sehen nur, was ihre typische Klientel ihnen vorheult – und Selbstständige heulen sich nun mal nicht bei Hilfswerken aus.
Zudem wir der Abstand bei 10 Euro Mindestlohn zu einem Gehalt von 2000 Euro schon merklich abgeschwächt – und dafür muss man sich schon ganz schön anstrengen, von höheren Gehältern einmal ganz abgesehen.
Mein Fazit: Mindestlohn ja – bei etwa sechs bis sieben Euro wäre Deutschland da ganz gut aufgestellt – aber die gegenwärtigen Fantasievorstellungen überwiegend linker und klerikaler Zeitgenossen, man könne mal so einfach 10 Euro hinblättern, entbehrt jeder Grundlage – es kommt sozialistischer Gleichmacherei schon sehr nahe.
Ich habe gerade vor einiger Zeit einen dieser Leute gefragt, wie er es den „sozial gerecht“ vertreten will, dass ein Selbstständiger mit 60-Stunden-Woche am Ende weniger in der Tasche hat als ein Mindestlohnempfänger. Seine Antwort: „Da muss man eben eine andere Lösung finden“. Sehr richtig – eine andere Lösung als überhöhte Mindestlöhne – aber das hatte er nicht gemeint.